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Stadtkirche St. Dionys (evangelische Kirche)
Esslingen am Neckar (Esslingen / Baden-Württemberg)
Beschreibung
Die Stadtkirche St. Dionys, Esslingens Wahrzeichen, ist eine der historisch vielschichtigsten und tiefgreifendsten im deutschen Südwesten. Ausgrabungen in den Jahren 1960 bis 1963 waren so ergiebig, dass sie gar zur Gründung der Abteilung "Mittelalterarchäologie" im Landesdenkmalamt Baden-Württemberg führten. Die Reste der Vorgängerbauten haben damals ein unterirdisches Fenster in die Vergangenheit geöffnet: Der geologisch bevorzugte Ort auf einem Schwemmkegel des Geißelbachs kurz vor Einmündung in den Neckar war offenbar schon vom 13. bis zum 11. vorchristlichen Jahrhundert besiedelt, was Grabungsfunde aus der Urnenfeldkultur zeigen. Fast 2000 Jahre später entsteht dann auf diesem vorhistorischen Grund eine der wichtigsten rechtsrheinischen Kirchen ihrer Zeit. Sie war dem im 4. nachchristlichen Jahrhundert zu Rom umgekommenen Märtyrer St. Vitalis gewidmet, dessen Reliquien Fulrad, der Abt des bedeutenden Reichsklosters St. Denis, für den Bau gestiftet hatte. In der Forschung "Vitalis I" genannt und wohl in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts entstanden, ging das Gotteshaus 777 in den Besitz des Reichsklosters St. Denis über.
An Stelle von "Vitalis I" entstand dann ein Jahrhundert später "Vitalis II", eine gegenüber dem Vorgängerbau mit 39 Metern doppelt so lange, einschiffige Saalkirche. Unter ihrem Chor wurde seinerzeit eine dreischiffige Hallenkrypta angelegt, auch für die Gebeine des Vitalis. Günter B. Fehring, Leiter der Ausgrabungen in den sechziger Jahren, schließt deshalb auf eine "überragende Bedeutung Esslingens in karolingischer Zeit. Eine solch einzigartige, dominierende Stellung hat dieser Ort nie wieder erreicht, auch nicht in den Blütezeiten als Reichsstadt."
1213 gelangte "St. Dionys und Vitalis", wie die Kirche nun hieß, durch Schenkung an das Speyrer Domkapitel, dessen ausladender Pfleghof noch heute in unmittelbarer Nähe des Chors steht. Der war mitsamt seinen Apsiden etwa 1240 vollendet und bot die Grundlage für den nachfolgenden, frühgotischen Polygonalchor, sodass die Kirche bereits um 1350 weit gehend ihr heutiges Aussehen hatte. Das Interesse der Esslinger wandte sich hernach der weitaus zeitgenössischeren, spätgotischen Frauenkirche zu, dem Inbegriff ihres reichstädtisch-bürgerlichen Stolzes. Gleichwohl ist St. Dionys mit seinen kraftvollen Chorflankentürmen aus dem 13. und 14. Jahrhundert, und dazwischen der verbindenden Holzbrücke auf Höhe der Turmhelm-Ansätze, das eigentliche Esslinger Wahrzeichen.
Zu den vielen bemerkenswerten Ausstattungsstücken gehören die Wandmalereien im nördlichen Seitenschiff (1410-1420) mit der Legende vom hl. Leonhard sowie die romanischen Säulenkapitelle im Mittelschiff. Bemerkenswert der spätgotische Lettner zwischen Kirche und Langhaus. Die Orgel mit ihren 6550 Pfeifen und dem Gehäuse von 1757 gilt als eines der Meisterwerke des südwestdeutschen Barock. Auch weil das Innere vom Renovierungsfuror der Sechziger- und Siebzigerjahre verschont geblieben ist, strahlt dieser mächtige, mitten in der Stadt gelegene Bau, eine selten erlebte Ruhe und Würde aus. Berührend an der südlichen Außenseite des Chors ist ein kleines Denkmal für einen sterbenden Soldaten in der Art einer Christusdarstellung im Heiligen Grab.
Karlheinz Fuchs
Orgel(n)
Walcker (IV/91) 1904, barockes Gehäuse (elektropneum.)
Führungen
Termine
M: Musik, K: Kunstführung
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