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Barock
Kunst- und Baugeschichte
Vom portugiesischen „barocc“ abgeleitet, was eine unbearbeitete, ungleichmäßige und schiefrunde Perle bedeutet, wird Barock lange Zeit als skurril, wunderlich und ungeordnet begriffen. Ein Stil außerhalb der Reihe, gekennzeichnet durch ein „Unwort“. Die kunsthistorische Epoche des Barock dauert nach neuer Auffassung von 1600 bis etwa 1760. Im deutschen Südwesten ist es die Zeit des fürstlichen Absolutismus und der katholischen Gegenreformation. Im Norden des heutigen Baden-Württemberg sind es vor allem die Residenzen, im Süden, auf den Territorien Vorderösterreichs, des Deutschen Ordens und der großen Reichsabteien, schlug damals die Stunde der Gegenreformation mit ihrer großen kirchlichen Prachtentfaltung. Ein Pendant zum katholischen Kirchenbau gab es im protestantischen Nordbaden so wenig wie im pietistisch unterminierten Herzogtum Württemberg. Den gegenreformatorischen Kirchenstil im südlichen Südwesten prägen zwischen 1680 bis gegen 1750 die "Vorarlberger" aus dem Bregenzer Wald. In Oberschwaben, am Bodensee, am Hoch- und dem südlichen Oberrhein brillieren sie als glänzend ausgebildete Bau- und Ausstattungskünstler. Der andere wichtige, weit nach Oberschwaben und an den Bodensee reichende Barockbauplatz gehörte dem Deutschen Orden. Ihn bearbeiten vor allem Johann Caspar Bagnato und sein Sohn Franz Anton. Bei der Definitionsvielfalt für diesen Stilbegriff findet sich doch immer wieder die Einschätzung über die "Großartigkeit" der Synthese von Architektur, Plastik und Malerei speziell im Kirchenbau. In Baden-Württemberg beispielhaft zu studieren an so unterschiedlichen Werken wie der Wallfahrtskirche von Steinhausen (nach Dehio die "schönste Dorfkirche der Welt") und dem "Schwäbischen Petersdom" St. Martin und Oswald in Weingarten. Als allgemeines Kriterium ist die Rede von der nach Harmonie und Einheit drängenden formalen Kraft. Speziell im Kirchenbau bedeutet das intensives Ineinander statt lediglich Nebeneinander der Künste.
Karlheinz Fuchs
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