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Elsaesser, Martin (1884–1957)
Künstler

Er begann als architekturkünstlerisches Wunderkind und endete als Theoretiker und Gutachter. Sein Herkommen war für einen Architekten eher ungewöhnlich: Martin Elsaesser wurde 1884 als Pfarrersohn in Tübingen geboren. Vom protestantischen Bildungsbürgertum geprägt, schienen ihn anfangs Literatur und Musik mehr zu interessieren als die sinnlich konkrete Bilderwelt. Er schrieb Gedichte, spielte Klavier – und begann dann doch bereits um 1900 in München Architektur zu studieren.
Bald darauf lernte er an der TH Stuttgart bei Theodor Fischer. Eine schicksalhafte Begegnung, denn niemand sollte ihn nachhaltiger beeinflussen als dieser große Lehrer. 1910, erst 26, gewinnt er unter 77 Einsendungen den ersten Preis für die Stuttgarter Markthalle. In der Jury saß Theodor Fischer!

Elsaesser war in seinen Stuttgarter Architektenjahren vor allem von 1910 bis 1916 ein Ausbund an Kreativität und Schaffenskraft: Neben der 1914 vollendeten Markthalle entstehen die Wagenburgschule, die Gaisburger Kirche und mehrere Villen in der Halbhöhenlage. Elsaessers damalige Bauart lässt sich am ehesten als expressiver Jugendstil fassen. Expressiv bleiben auch zwei wichtige Arbeiten seiner zweiten Schaffensperiode (1920–1933), der Ziegelanbau für die Kunstgewerbeschule Köln (1924), wo er seit 1920 lehrt, und die Esslinger Südkirche (1925/26), auch sie eine Art Backsteinskulptur. Damals beginnt auch die karrieristisch bedeutsamste Zeit. Der Frankfurter Baudezernent Ernst May, auch er Schüler Theodor Fischers und einer der Protagonisten des neuen, sozialen Siedlungsbaus, holt ihn als Stadtbaudirektor an den Main. So entstand von 1926 bis 1928 die Frankfurter Großmarkthalle – Elsaessers monumentalster, modernster und bis heute wohl berühmtester Bau. Nach 1945 lehrt er an der TH München, der anderen akademischen Theodor-Fischer-Stätte. Ein Alterspendant zu seinem Jugendwerk Markthalle bleibt ihm versagt. Am 5. August 1957 stirbt er in Stuttgart. In der Traueranzeige steht folgerichtig, er hinterlasse „ein unvollendetes Lebenswerk“.

Karlheinz Fuchs

Referenzen