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Altar
Kunst- und Baugeschichte

Altar (lat. altaria „Aufsatz auf dem Opertisch“; später abgeleitet von lat. altus „hochragend, erhaben, geheim“), ursprünglich erhöhter Platz oder Tisch zur Darbringung von Opfern oder rituellen Handlungen. Im Christentum bezeichnet der Begriff Altar den von einem Bischof geweihten Tisch in einer Kirche, an dem die Eucharistie gefeiert wird, und zu dem seit dem 5. Jahrhundert eine Reliquie gehört.

Der Altar besteht im Allgemeinen aus der Mensa (Altarplatte) und dem Stipes (Unterbau), der mit einer Verkleidung (Antependium) versehen sein konnte. Gelegentlich war der Altar auch von einem Baldachin (Ciborium) überdacht. Während die ersten Altäre tisch- oder kastenförmig waren, ging der rückwärtige Abschluss seit dem 4. Jahrhundert in einen oft als Schrein ausgebildeten Aufbau (Retabel) über. Dieses wurde ab dem Mittelalter im oberen Teil mit Tafelbildern geschmückt. In der Spätgotik entstanden Altäre mit mehrteiligen Retabeln, die so genannten Flügel- oder Wandelaltäre. Ihr mit geschnitzten oder gemalten Bildern verzierter Altaraufsatz besteht aus einem mittleren, feststehenden Schrein und beweglichen Seitenflügeln. Katholische Kirchen enthalten einen Altar als zentralen Ort der Messe (Hochaltar) im Chor.

Abhängig von Größe und Bedeutung der jeweiligen Kirche traten im Mittelalter neben diesen eine Vielzahl von Neben- oder Seitenaltären, die für Toten- und Privatmessen genutzt wurden und mit Stiftungen ausgestattet waren. Im 17. und 18. Jahrhundert verdrängten große, häufig von Säulen und Figuren aus Stuck gerahmte, gemalte Altarblätter die geschnitzten Flügelaltäre, diese kamen aber im Historismus wieder in Mode. In den Kirchen der Reformation erfolgte eine Konzentration auf den Altar in der räumlichen Mitte, oftmals in enger Verbindung mit Taufstein und Kanzel als Ausdruck der Einheit der Sakramente und der Verkündigung. Seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) wird der Kirchenraum auch katholischerseits wieder auf einen Altar hin konzentriert, der – möglichst getrennt vom Tabernakel – die gestalterische und liturgische Mitte einnimmt.

Annegret Kotzurek (Red.)

Referenzen