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Baldung, Hans, genannt Grien (um 1480–1545)
Künstler
„Grien“ ist wohl der Spitzname für Hans Baldung. Man nimmt an, dass dahinter „grün“ im Sinne von „Grünschnabel“ steckt, welche Bezeichnung wohl aus seiner Lehrzeit stammt. Albrecht Dürer, mit dem Baldung in persönlicher, inspirierender Beziehung stand – er soll sogar eine Locke des Nürnbergers bei sich getragen haben – nannte ihn übrigens „Grünhans“.
Baldungs Familie stammt aus Schwäbisch Gmünd, wie ursprünglich auch die hoch bedeutsame Sippe der Parler. Hans wird allerdings in Weyersheim bei Straßburg geboren. Und in Straßburg sollte er fast zeitlebens wirken, als Maler, Kupferstecher und Zeichner. Seine künstlerisch bedeutsamsten Jahre verbrachte er allerdings von 1512–1516 im nahen Freiburg, wo er für das Münster den weltbekannten Hochaltar malt und auch Kirchenfenster entwirft, als deren Großmeister er alsbald gilt.
Dieser Freiburger Hochaltar ist kein aus geschnitzten Skulpturen bestehender Schrein, vielmehr besteht er aus eindringlichen Tafelbildern. Im Zentrum die Krönung Mariens, auf den Flügeln die Apostel, rechts angeführt von Paulus, links von Petrus. Bei geschlossenen Altarflügeln erscheinen Bilder aus dem Marienleben zu den Stationen Verkündigung, Heimsuchung, Geburt Jesu und Flucht nach Ägypten. Die Rückseite dieses Hochaltars ist mit der Kreuzigungsszene bemalt. Neben dem Kreuz des bösen Schächers hat Hans Baldung sich im Selbstbildnis verewigt. Hier wie dann vor allem auch in seinem eigentlichen Metier, dem Holzschnitt, zeigt sich seine kühne Meisterschaft in der Entwicklung derb realistischer, keinesfalls mehr spätgotisch idealisierter Figuren. Hans Baldung Grien ragt bereits mächtig in die Renaissance.
Nach seiner Freiburger (Meister-)Zeit arbeitet er in Straßburg als bischöflicher Hofmaler und engagiert sich dort, ähnlich wie sein zwanzig Jahre älterer Kollege Tilman Riemenschneider, kommunalpolitisch als Ratsherr, allerdings ohne dramatische Konsequenzen. 1545 stirbt Hans Baldung Grien in Straßburg.
Karlheinz Fuchs
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