---
 
---
 
---
 
---
 
---
 
---
 
---
 
---
---
 
---
 
---
 
---
 
---
 
---
---

Bettelordenskirche
Kunst- und Baugeschichte

Zu den Bettelorden gehören Dominikaner, Augustiner-Eremiten, Karmeliter und Franziskaner. Ihr Betätigungsfeld waren besonders die Städte, in denen sie, von Frankreich aus beginnend, seit Mitte des 13. Jahrhunderts eine eigene, recht reduzierte Form der Gotik entwickeln. Eines Musterbeispiel für ihr kirchenbauliches Wirken ist etwa Esslingen am Neckar. Die Baugesinnung der Bettelorden ist eng an die der Zisterzienser angelehnt: Reduktion der so genannten Kathedralgotik durch Verzicht auf spektakuläre Zier- und Präsentationsformen: Dabei ist äußerlich unverkennbar, wenn die spezifischen (Kathedral)Türme durch Dachreiter als eine Art Glockengerüst ersetzt werden. Die Tendenz zur Zusammenfassung der gesamten Kirche unter einem gewaltigen Satteldach, auch noch unter Verzicht auf Querhäuser, hat jener Bauform auch den Titel "Scheunenarchitektur" eingebracht. Im Inneren werden die Vereinfachungs- und Verzichtsformen vollends deutlich. So legten die Dominikaner bereits um 1230 fest, nur Chor und Sakristei, nicht aber das Langhaus einzuwölben. Insofern stellen die Bettelordenskirchen einen ersten rationalen Stil in der abendländischen Architektur dar, wobei speziell die Reduktionen im Inneren auch funktional gut bedacht waren. Der einfach gegliederte Raum des Langschiffs ohne Querschiffe und Gewölbe sollte die Konzentration auf die Predigt lenken, die oft vom erhabenen Standort des Lettners aus gehalten wurde, denn die Bettelordenskirchen waren vor allem der Predigt vorbehalten und hatten großen Zulauf unter dem städtischen Publikum. Nicht von ungefähr waren sie auch baulich der Stadt zugewandt.

Karlheinz Fuchs

Referenzen