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Fischer, Theodor (1862–1938)
Künstler

Er war in allem Meister, aber er war vor allem ein Genie der Vermittlung: zwischen Kunst und Handwerk, Lehre und Praxis, Historismus und Moderne, ja, zwischen den Jahrhunderten selber. Zufall oder nicht – Theodor Fischer, 1862 in Schweinfurt geboren und 1938 in München gestorben, lebte im vergangenen Jahrhundert ebenso lange wie im gegenwärtigen. Und er führt, als Zeitgenosse von Muthesius, Riemerschmidt und dem etwas jüngeren Tessenow, die Architektur aus dem Historismus des 19. hinüber in die Moderne des 20. Jahrhunderts.

Fischers produktivste Zeit als Lehr- und Baumeister war dabei wohl seine württembergische. 1901 übernimmt er die Professur für Bauentwürfe an der TH Stuttgart. Zwischen 1903 und 1913 entstehen Fischers noch heute höchst bemerkenswerte württembergische Bauten, mittlerweile Pilgerziele jedes Architekturkundigen: die evangelische „Jugendstilkirche“ in Gaggstadt bei Crailsheim (1903–1905), die Arbeitersiedlung Gmindersdorf bei Reutlingen (1903–1905), der Umbau des Plochinger Bahnhofs (ab 1903), die Pfullinger Hallen (1904–1907) und darüber, an exponierter Stelle des Albtraufs der Aussichtsturm auf dem Schönberg (1905), eine ganz frühe architektonische „Betonskulptur“. Gleichzeitig baut er in Höfen an der Enz das als Stadtkrone angelegte Schulhaus, im Stuttgarter Süden, auf schwierigstem Grundriss, die Heusteigschule, in den Weinbergen am Stuttgarter Kriegsberg die aus Tuffstein gefügte Erlöserkirche (1908) und in Ulm die gewaltige Garnisonskirche (1910). 1908 wird Fischer auf den Münchener Lehrstuhl für Baukunst berufen. Von Stuttgart verabschiedet er sich mit dem Gustav-Siegle-Haus (1912) und dem Kunstgebäude am Schlossplatz (1913).

Referenzen