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Drolerie
Kunst- und Baugeschichte

Drolerien sind gewissermaßen die Karikaturen des Mittelalters. Man trifft sie vor allem an Kirchen: Innen als Schnitzwerk für das Chorgestühl. Besonders die Konsolen der Sitze, auch "Misericordien" genannt, waren damit ausgestattet, aber auch figurierte Säulenbasen, Kapitelle und Schluss-Steine. Außen erscheinen Drolerien oft als wirkungsvolle Bauplastik, vor allem in Form von Wasserspeiern. In der Romanik sind es vielfach Dämonen, die den Kampf zwischen Gut und Böse symbolisieren. Später kommt es zu pflanzen- und tierhaften Darstellungen. Eine typische Drolerie-Groteske ist das "gymnastische Initial", ineinander verrenkte Wesen bis hin zu Monsteraufhäufungen, etwa an Säulenfüßen. Reich an Drolerien sind St. Johannis in Schwäbisch Gmünd und natürlich das Freiburger Münster mit seinen zahlreichen dämonisch fratzenhaften Wasserspeiern ringsum. Die südliche Chorseite des Freiburger Münsters gemahnt zum Beispiel an den zeit- und ortsnah moralisierenden Basler Humanisten Sebastian Brant und dessen 1494 erschienenes "Narrenschiff", eine große, mit Holzschnitten illustrierte Zeitsatire in 112 Kapiteln. Der Affe, der hier genüsslich und sozusagen als Tier im Menschen – deftig anspielungsreich – einem Mann zwischen den Beinen sitzt, gilt bei Brant ähnlich wie der Esel als "närrisches" Tier und im Vorspruch zum 43. Kapitel heißt es: "Dass ich nur Zeitliches betrachte / und auf das Ewige nicht achte / das schafft, weil mich ein Affe machte". Speziell die sozialkritische skulpturale Satire, wie sich die Drolerie am Bau auch deuten lässt, verschwindet im Lauf des 16. Jahrhunderts mit dem Ende der Gotik und der aufkommenden Renaissance.

Karlheinz Fuchs

Referenzen