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Notkirche
Kunst- und Baugeschichte
Das System stammt von Otto Bartning, der es nach dem Zweiten Weltkrieg aus einfachen Grundsätzen heraus entwickelte, um die erste Not vieler christlichen Gemeinden nach den Kirchenzerstörungen des Zweiten Weltkriegs zu beheben.
Bartning entwickelte dabei vier Grundvarianten, auf Grund derer Kirchen schnell und einfach „aufgeschlagen“ werden konnten – und zwar mit Hilfe hölzerner Tragekonstruktionen, wie man sie auch von großen Zelten her kennt.
Bartnings Typen unterschieden sich vor allen durch die Gestaltung des Altarraums. Der konnte einmal polygonal und mit Holzstreben herausgehoben sein. Dann gab es zwei gemauerte Versionen. Bei der vierten Variante indes fehlte der Altarraum ganz.
Bartnings Erfolgsrezept für die Realisierung war die Trennung von Fremd- und Eigenleistung: Die extern geplanten Prototypen wurden danach unter starker Eigenbeteiligung der Gemeinden am Ort aufgebaut. Denn Bartnings Holz-Tragekonstruktionen ließen sich vorfabrizieren und dann erst wieder, wie bei mittelalterlichen Fachwerkkonstruktionen, entsprechend wieder aufschlagen. Die Gemeindemitglieder konnten selber Fundamente ausheben und statisch nicht beanspruchte Außenmauerwerke aus Trümmermaterial unter Leitung eines ortsansässigen Architekten errichten.
Mehr als 40 solcher Kirchen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut, von Sachsen und Thüringen über Berlin und Mecklenburg-Vorpommern bis nach Nordrhein-Westfalen. Die fünf Exemplare in Baden-Württemberg stehen mittlerweile allesamt unter Denkmalschutz. Sie finden sich in den einst sehr kriegszerstörten Städten Stuttgart, Heilbronn, Pforzheim, Karlsruhe und Mannheim.
Karlheinz Fuchs
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