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Böblinger, Hans der Ältere (um 1410 bis nach 1470)
Künstler

oft auch „Hans von Böblingen“ genannt, ist zum ersten Mal 1435 in Konstanz nachgewiesen. Eine im Münchener Nationalmuseum aus seiner Hand überlieferte Zeichnung trägt die Beschriftung „Ich Hanns von Böblingen ain Steinmetz“. Der Rat der Freien Reichsstadt Esslingen will ihn für seine Frauenkirche gewinnen, muss aber am 8. April 1439 Mächtigeren nachgeben: „Hanns von Böblingen der hat aber unserer gnädigen Herrschaft von Wirtemberg geschworen.“ Doch nur wenige Monate später gelingt es, wohl auf Empfehlung von Matthäus Ensinger, den Böblinger als Polier an die Esslinger Frauenkirche zu berufen. Vom Frühjahr 1440 an ist er dort als Steinmetz belegt. Ein Werkvertrag aus dem Jahr 1440 weist ihn als des „Thurnes und buves Maister“ aus. Am Turmbau der Esslinger Frauenkirche selber ist er seit 1440 nachgewiesen; einen Aufriss aus seiner Hand gibt es bereits ein Jahr zuvor. Er baut danach bis zum dritten Obergeschoss, wohl über einen Zeitraum von dreißig Jahren – sein letztes Zeichen findet sich 1471 am Treppenturm.
Ein Spätwerk Böblingers ist nahe Esslingen der Chor von Mettingens evangelischer Pfarrkirche Unserer Lieben Frau (wohl zwischen 1470 und 1478). Nach dem neuesten Dehio „eine der reifsten Leistungen neckarschwäbischer Spätgotik“.
Auch die evangelische Pfarrkirche St. Martin in Stuttgarts Vorort Möhringen, der „Filderdom“, ist ursprünglich ein Werk Böblingers, erbaut zwischen 1464 und 1466, als Möhringen noch zur Freien Reichsstadt Esslingen gehörte (bis 1802). Fast vierhundert Jahre später, von 1853–1855, hat der unermüdliche Stuttgarter Historist Christian Friedrich Leins diese Kirche unter Beibehaltung von Böblingers Chor und Turm zu einer dreischiffigen Basilika umgewandelt und so gewissermaßen ins Neugotische übersetzt.

Karlheinz Fuchs

Referenzen