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Ratgeb, Jerg (1480–1526)
Künstler

auch „Rathgeb“ geschrieben, ist der schwäbische Künstler im Übergang von Spätgotik zur Renaissance mit dem tragischsten Schicksal. Wie sein Kollege Tilman Riemenschneider schlägt er sich während des Bauernkriegs auf die Seite der Aufständischen und wird dafür 1526 in Pforzheim gevierteilt.

Der Geburtsort dieses Malers ist umstritten – das altwürttembergische Herrenberg oder das reichsstädtische Schwäbisch Gmünd? In jedem Fall ist sein bedeutendstes Werk, der „Herrenberger Altar“ (1518/19), längst eine der Hauptattraktionen der Stuttgarter Staatsgalerie. Eine andere wichtige Malerei findet sich auf dem Altar in der Pfarrkirche von Schwaigern bei Heilbronn (um 1500). Im Kloster Hirschhorn am Unteren Neckar gibt es Ratgebsche Wandgemälde. Immer wieder trifft man ihn auch in der Freien Reichsstadt Frankfurt a. M. Dort malt er im Karmeliterkloster den Kreuzgang aus. Um 1500 ist ein Aufenthalt in Rom nachgewiesen, wo er sich äußerst beeindruckt von Bernini zeigt. Aber auch Einflüsse des älteren Matthias Grünewald und des älteren Holbein sind überliefert. Zu seinem Hauptwerk, der für die Stiftskirche in Herrenberg geschaffene Altar, in Wahrheit nur ein Torso, dem viele Teile fehlen, heißt es bei Hans Koepf, gerade im Blick auf Ratgebs eigenes Schicksal: „Als Seher hat er seinen eigenen Martertod in den so drastisch dargestellten Quälereien und Schindereien der Passion bereits durchlitten. Die gespenstisch auf dem Hintergrund huschenden Schatten der Häscher und die martialisch im Vordergrund herumdonnernden Folterknechte haben ihn später selber in ganz ähnlicher Weise geschunden.“

Karlheinz Fuchs

Referenzen