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Dienst
Kunst- und Baugeschichte
Der "Dienst" ist ein Begriff aus der Zeit spätromanisch-gotischer Baukunst. Er stellt ein ebenso dekoratives wie statisches Element dar, das sich aus der romanischen Wandsäule heraus, als eine Art Verbindungsstück zwischen Säule und Gewölberippe entwickelt hat. Dienste können in der Horizontalen Gurte tragen, in der Vertikalen Bögen und, wie gesagt, vor allem Gewölberippen stützen oder halten. Oft sind solche Dienste auch zu Bündelpfeilern "zusammengepackt", manchmal derart, daß der eigentliche Pfeiler oder "Pfeilerkern" ganz dahinter verschwindet. Ein aus der Romanik kommendes Moment, das sich in der Gotik weiterentwickelt. Hier dann entspricht die Menge der Dienste meist der Anzahl von Gewölberippen, die sie aufnehmen.
Für Dienste, die sich nicht an einen Pfeiler anlehnen und stattdessen aus der Wand zu wachsen scheinen, hat die Kunstwissenschaft den Begriff der "Wanddienste" parat. Beispielhaft ist diese Variante an Josef Durms von 1893 bis 1898 entstandener evangelischer Pfarrkirche in Badenweiler zu studieren, einem neoromanischen Gesamtkunstwerk aus Buntsandstein - Durms ohnehin bevorzugtem Werkstoff. Der Karlsruher Baumeister stützt die gewaltigen Gewölberippen seines Kirchenschiffs optisch auf Wanddienste, die einmal als Solitär aus der Wand treten und dann wieder als kompakte Dreierbündel. Einfache wie gebündelte Dienste gehen in dieser späthistoristischen Arbeit des auch kunstgeschichtlich hochgebildeten Durm wie bei den historischen Vorbildern in Kapitelle über, auf denen dann die Gewölberippen ruhen. Was Durm "nur" nachahmt, ist in Backnangs restauriertem Turmgewölbe von St. Michael zu sehen: frühgotische Dienste in feinster Steinmetzarbeit, bekrönt von kunstreichen Kapitellen mit Rankenwerk und Tierszenen.
Karlheinz Fuchs
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