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Riemenschneider, Tilman (um 1460–1531)
Künstler

Er wurde in Osterode (Harz) geboren und begab sich schon früh auf die Wanderschaft nach Süddeutschland, wo er vor allem in Ulm in den Einfluss der Syrlins geriet. Seit 1483 ist er in Würzburg nachgewiesen als „Malerknecht, (also) als Geselle in der Zunft der Maler, Bildschnitzer und Glaser“, so der entsprechende Eintrag in der Bischofsstadt. Er heiratet vier Mal und engagiert sich kommunalpolitisch in vielerlei Ämtern, bis er 1520/21 gar Bürgermeister in Würzburg ist. 1525 steht er auf Seiten der Bauern, verliert seinen Ratssitz, gerät ins Gefängnis und unter die fürstbischöfliche Folter. Einige seiner Gesinnungsgenossen werden 1527 hingerichtet, dem letzten produktiven Jahr Riemenschneiders.

Er gilt als großer Meister der Spätgotik, vor allem wegen seiner Schnitzwerke. Mit ihnen vermittelt er zwischen der noch idealisierenden, vorindividuellen Gotik und der oft derben realistischen Renaissance-Darstellungsweise. Unter seinen zahllosen Schnitzarbeiten sind die meisten aus Lindenholz, darunter der Altar in der Pfarrkirche zu Großostheim bei Augsburg (1489), der Magdalenenaltar in Münnerstadt (1492), wohl auch der Altar in der Kilianskirche zu Haßfurt, der Heiligblutaltar in der Jakobskirche von Rothenburg (1499–1505) und, als Höhepunkt seiner Kunst, der Altar in der Creglinger Herrgottskirche (um 1510), der Hochaltar für den Würzburger Dom (1508–1510) und, wohl doch eher nur eine Arbeit aus seiner Werkstatt, die Volkacher Muttergottes im Rosenkranz (1520–1525). Zu seinen berühmtesten Steinmetzarbeiten gehören das Grab für Heinrich II. und Kunigunde (1513) im Bamberger Dom und die Beweinung Christi auf dem Hochaltar der Maidbronner Pfarrkirche (1525–1525).

Riemenschneider wirkte wesentlich in Unterfranken, naturgemäß mit dem Mittelpunkt Würzburg. Seine Hauptarbeiten in Baden-Württemberg sind neben Creglingen ein Sandsteingrabmal im Hochrelief von 1503 in der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Grünsfeld (Main-Tauber-Kreis). In Seckach (Neckar-Odenwald-Kreis) gibt es im linken Seitenaltar ein Relief der zwölf Apostel aus der Riemenschneider-Schule und in Ubstadt-Weiher für die dortige katholische Pfarrkirche einen Kreuzweg in Form einer Riemenschneider-Rezeption von 1896–1900.
Für Franken, seinem eigentlichen Arbeitsbereich, sind noch mehr als hundert Arbeiten oder zumindest Beteiligungen nachgewiesen. Damit ist Riemenschneider nach Balthasar Neumann dessen ergiebigster (Bau)Künstler.

Karlheinz Fuchs

Referenzen