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Angst
Leben und Glauben
Die Gefühlsreaktion auf eine reale, wahrgenommene Bedrohung ist die archaische Urform aller Angst. Sie ist eine Grundfunktion aller höher entwickelten Lebewesen, wie auch der Psyche des Menschen. Sie sichert sein Überleben im Alltag. Nach Eugen Drewermann hat sie sich allerdings verfestigt im „Prinzip der Feindgewärtigung, des ständigen Auf-der-Hut-Seins“, sowie in der „Strafgewärtigung“ für den Fall der Normübertretung: „Der öffentlichen Ächtung der Gruppenmitglieder ausgesetzt zu werden, von ihnen ausgestoßen zu werden, bedeutet Einsamkeit und Ausgeliefertsein in der schlimmsten Form. Die Angehörigen des eigenen Verbandes erscheinen als Verkörperungen beauftragter Verneinung und Verweigerung, und die Verbundenheit mit anderen Menschen, die unter anderen Umständen Schutz und Sicherheit böte, bedeutet jetzt Ablehnung und Verneinung. Doch nicht minder groß als die Angst, einem Beutegreifer zum Opfer zu fallen, von der Gruppe verstoßen oder allein gelassen zu werden, ist die Angst vor dem Nahrungsmangel.“ Der größte Teil aller tierischen wie menschlichen Aktivitäten diene der Beschaffung von `Lebensmitteln´ im weitesten Sinne,“ so Drewermann. Letztlich lässt sich Angst vor allem darauf zurück führen.
Schaut man auf die Gesamtheit all´ dessen, was wir mit „Angst“ benennen, wird deutlich, dass die Dinge in Angst zu sehen, nichts anderes ist, als sich der Ungesichertheit des Daseins bewusst zu werden. Je bewusster ein Mensch fühlt, desto ausgedehnter kann seine Angst sein.
Was z. B. im begrenzten tierischen Erleben von Furcht höchstens als eine situative Gefahr erscheint, stellt sich im menschlichen Bewusstsein als eine fundamentale, unbestimmte Gefährdung dar. "Diese Verunendlichung des Angsterlebens im menschlichen Bewusstsein führt zu der Neigung, die biologisch vorgegebenen Angst-Antworten aus dem Tierreich ins Unendliche zu verlängern: Um uns vor Feinden zu schützen, produzieren wir immer zerstörerische Waffen; um der Schuldangst zu entkommen, fliehen wir in ein Gehabe perfekter Anpassung an die gesellschaftlichen Standards“ (1).
Ein Weg, die Angst zu bewältigen, ist, zum einen sich der eigenen existenziellen Ungesichertheit bewusst zu sein, zum anderen eben genau diese Ungesichertheit jedoch zu akzeptieren. Diesen Weg bietet gangbar nur die Religion. Im Christentum tritt an die Stelle der unendlich gewordenen Angst der Glaube an eine unendliche Liebe. Nur sie löst die Angst unseres Daseins.
(1) Eugen Drewermann, in: G. Hartlieb, Ch. Quarch, B. Schellenberger (Hg.): Spirituell leben, Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2002
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