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Denkmal
Leben und Glauben
Das deutsche Wort Denkmal entstand im 16. Jh. in der Auseinandersetzung mit dem Neuen Testament. Damals ging es um den Altar als Bedeutungsträger. Es besteht aus dem Wort „denken“ im Sinne von „sich erinnern“ und dem Wort „Mal“ im Sinne von „Zeichen“.
Der Vorgänger des Denkmals ist das "Mal", jener Gegenstand der frühen Kulturen, um den alles kreist, dem - wenigstens für einen Augenblick - alle Aufmerksamkeit, alle Geschichte, zu schenken ist. Dieser Ursprung im Magischen, Irrationalen eines Objekts bildet die anthropologische Bedingung für Tanszendenz und Spiritualität. Dem "Mal" darf alles abgehen außer einer Eigenschaft: Sinn zu haben.
Ein Denkmal als Zeichen weist jedoch auf eine Erinnerung – aber welche? Und wo liegt sie? Wem ist sie zugänglich? Erinnern kann sich nur der einzelne, persönliche Mensch, und erst indem diese persönliche Erinnerung ausgesprochen wird, entsteht sein selbst Erzähltes. So kommen die Geschichten in die Welt. Und so finden die Menschen immer wieder zur großen Geschichte zurück.
Ein Denkmal kann eine bemalte Handschrift sein oder ein Klumpen Fett, in Filz eingewickelt. Das Denkmal kann ein Zinnkelch sein, ein Fingerring oder eine Anordnung von Straßen im Stadtbild. Ein Denkmal kann vergessen an der Wand einer Abstellkammer hängen oder als Raum Regenflüchtigen Obdach bieten. Während das "Kunstwerk" als Begriff für ein "Objekt" dieses gewissermaßen immer in die Nähe eines einstigen Akteurs bringt (z. B. das "Genie" eines Künstlers), stellt das "Denkmal" das so bezeichnete "Objekt" näher beim aktuellen Akteur auf, dem Betrachter.
Im Unterschied zur möglichen Funktionalisierung als bloße Illustration eines Gedankens bemüht sich "Denkmalbildung" beim Umgang mit dem künstlerischen Objekt um eine Deutungsfreiheit, die die menschlichen Voraussetzungen für spirituelle Erfahrung wach hält. Damit ist sie, wie Karl Lehmann einmal zur „Denkmalpflege“ geschrieben hat, ganz ähnlich „der heiligen Nutzlosigkeit wahrer Kunst verpflichtet, die ihren Rang in sich selbst hat und nicht gesellschaftlich-ökonomisch oder auch funktional verrechnet werden kann.“
So kommt es, dass Denkmale vom (lat.) „Monumentum“ zum „Mahnmal“ mutieren können. Manchmal sieht die kommende Generation sie ganz anders als die, die sie aufgestellt hat. Oder sie werden ganz vergessen und entzünden dann wieder völlig unterwartet neues Interesse.
Emanuel Gebauer
Externer Link zum Thema Denkmalbildung
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