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Chorgestühl
Kunst- und Baugeschichte

Dies oft augenfälligste Ausstattungsstück mittelalterlicher Kirchen findet im 13. Jahrhundert seine eigentliche Form: Zu beiden Seiten des Chors sind eine obere und untere Sitzreihe aufgestellt. Die obere Reihe hat dabei als Rückwand ein so genanntes Dorsale. Hier gliedern Blendarkaden und kleine Baldachine die einzelnen Sitze. Bei geschlossener Form des Chorgestühls sind die einzelnen Sitze oder auch „Stallen“ durch Wände voneinander getrennt. Beim offenen System fehlen sie. Die Stallen haben Armlehnen und meist Klappsitze. An deren vorderem Rand findet sich eine Verbreiterung, die beim Stehen als Gesäßstütze diente, deshalb auch „Miserikordie“ („Mitleid“) genannt.
Die Gestühl war einst den Mitgliedern des Dom- oder Kollegiat-Kapitels oder auch der mönchischen Gemeinschaft vorbehalten. Das überwiegend aus Holz gefertigte Gestühl bot namentlich vom 14. bis zum 16. Jahrhundert den Holzbildhauern und Schnitzern ein weites Betätigungsfeld. Berühmt etwa das Chorgestühl des Ulmer Münsters, das Jörg Syrlin d. Ä. von 1469 bis 1474 geschnitzt hatte.

Karlheinz Fuchs

Referenzen