---
 
---
 
---
 
---
 
---
 
---
 
---
 
---
---
 
---
 
---
 
---
 
---
 
---
---

Multscher, Hans (um 1400–1487)
Künstler

Er stammt aus Reichenhofen im Allgäu, wo er um 1400 geboren wurde. Als Bildhauer und Maler dominiert er die oberschwäbische Kunstszene des 15. Jahrhunderts und wie der ältere Syrlin wirkt er vor allem von Ulm aus, wo er seit 1427 nachgewiesen ist. Seine berühmteste Arbeit dort ist der Schmerzensmann von 1429 am Westportal des Ulmer Münsters. Ein männlich ausgeprägter, ausgesprochen schöner Christuskopf mit schultelangem Haar, lockigem Kinnbart und einer markanten Nasen-Lippenpartie. Neue Sichtweisen bahnen sich hier an, ein aus den Niederlanden angeregter Realismus, der den damals vorherrschenden „Weichen Stil“ abzulösen beginnt. Multscher, der 1487 in Ulm stirbt, unterhielt dort eine große Werkstatt, der viele Arbeiten zugeschrieben werden, aber keinesfalls mehr solche vom Rang des Schmerzensmannes.

Er war wohl auch Maler, vor allem Altarmaler. So wird er mit dem 1437 entstandenen Wurzacher Altar und dessen derb realistischen Gemälden in Zusammenhang gebracht. Hier wie beim Sterzinger Altar und dem Zug der Reiter vom ehemaligen Hochaltar in Heiligkreuztal, heute in der Stuttgarter Staatsgalerie, eine akribische, überrealistisch konzipierte Malart.
Multscher gilt als Begründer des monumentalen Realismus im Schwäbischen und war wesentlich daran beteiligt, die Spätgotik in Oberdeutschland durchzusetzen: die Abkehr von einer idealistisch weichen hin zu einer realistischen, oft krassen Auffassung vor allem in der Darstellung des Menschen. Multscher scheint diesen „Schub“ von der Auseinandersetzung speziell mit der niederländischen Kunst seiner Wanderjahre um 1425 erhalten haben.

Karlheinz Fuchs

Referenzen