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Chor
Kunst- und Baugeschichte

Der Chor ist ursprünglich sakraler Rückzugsort innerhalb eines Kirchengebäudes. Hier pflegten die Geistlichen Chorgesang (Schola cantorum). Um den Chor wurde wohl schon seit karolingischer Zeit das Langhaus erweitert, meist über das so genannte Chorquadrat, das die Apsis arrondierte. In manchen großen Domen der Romanik gibt es noch doppelchörige Anlagen, so in Hildesheim, Mainz, Worms und Bamberg. Zur Ausstattung der gotischen Chöre gehörte ganz wesentlich das Gestühl, gut erhalten etwa in Bad Wimpfens St. Peter im Tal. Und dann natürlich der Hochaltar, spektakulär zum Beispiel das Hauptwerk des Hans Baldung Grien im Freiburger Münster. Einen gewaltigen Chor hatte auch die gotische Franziskanerkirche in Esslingen, der man allerdings um 1850 das Langhaus weggerissen hat. Aber der übrig gebliebene Chor allein wirkt noch immer wie ein großes Gotteshaus. Im Barock boten die Chöre meist Kulissen für reich ausgestattete Hochaltäre. Der im Chor stehende Hauptaltar, oft "Choraltar" genannt, wird speziell in Barockkirchen von Nebenaltären flankiert, sozusagen als Ouvertüre. In der überwältigenden Dorfkirche St. Peter und Paul (1728-1733) des Dominikus Zimmermann in Steinhausen schließt sich der Chor queroval an das längsovale Langhaus zu einer grandiosen Raumkomposition. In Bad Wimpfens Dominikanerkirche wurde bei der Barockisierung der neue Hochaltar meterweit in den Chor hinein zum Langhaus hin gerückt, sodass oben im hohen gotischen Chorgewölbe über einem einfachen Bretterboden ein eigener "Winterchor" entstand, in dem die Mönche während der kalten Jahreszeit um ein glühendes Kohlebecken geschart ihre Gottesdienste abhielten. All das sind natürlich nur kleine Andeutungen zu einem bauhistorischen Phänomen, das mit guten Gründen Bibliotheken füllt.

Karlhein Fuchs

Referenzen